Interessante Pilzfunde 107 - Zweifarbiger Scheidenstreifling

Begonnen von Bernd Miggel, Februar 08, 2024, 11:30:57 VORMITTAG

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Bernd Miggel

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Einführung, Lebensweise und Verbreitung

Stößt man im sauren Nadelwald auf einen mittelgroßen, graubraunen Scheidenstreifling mit deutlich mehrfach gezontem Hut und weißlicher, rostig gefleckter Volva, hat man es zweifellos mit dem hier beschriebenen Zweifarbigen Scheidenstreifling Amanita umbrinolutea (Gillet) Bataille zu tun. Diese recht häufige Art geht eine Mykorrhiza mit Nadel-, aber auch mit Laubbäumen ein.

Vielen Dank an Uwe Winkler, Hans Stern und Uwe Wallner für die hier gezeigten Bilder!

Bild 1 (oberes Bild) – Reife Exemplare mit mit typisch mehrfach gezontem, graubraunem Hut. Foto: Uwer Winkler.
Bild 2 (mittleres Bild) – Junger, aus der stabilen, rostfleckigen Volva hervortretender Fruchtkörper. Foto: Uwer Winkler.
Bild 3 (unteres Bild) – Alter Fruchtkörper, bei dem man die schwarzen Lamellenschneiden deutlich erkennt. Foto: Uwe Winkler.

Bernd Miggel

#1
Makroskopische Merkmale

Hut anfangs eiförmig, halbkugelig, bald ausgebreitet, auch mit kleinem Buckel, alt flach und oft mittig vertieft, ohne Velumflocken auf dem Hut, bis etwa 12 cm breit. Farbe meist graubraun, aber mitunter auch umbra-, kastanien- oder olivbraun oder olivgrau, bei reifen Fruchtkörpern immer charakteristisch gezont (von innen nach außen dunkel – hell – dunkel – hell). Lamellen weiß, Schneide bei alten Exemplaren oft schwarz. Stiel bräunlich und fein genattert, ohne Ring. Fleisch weiß, geruchlos und mild.

Die Farbe des frisch ausgefallenen Sporenpulvers ist weiß.


Bild 4 – Eine Kollektion von vier Fruchtkörpern in den typischen Farben. Foto Bernd Miggel

Bernd Miggel


Mikroskopische Merkmale

Sporen nach LUDWIG 2012 rund bis rundlich, glatt, hyalin, 10-12,5 x 9,5-11,5 µm, mit einem Schlankheitdgrad Q = 1,0-1,2. Velum aus verschlungenen Hyphen und zerstreuten globosen bis ellipsoiden Sphaerozysten.


Bilder 5 und 6 – Reifes Exemplar in grauer Hutfarbe. Fotos: Hans Stern.

Bernd Miggel

#3
Bild 7 – Kleine Kollektion mit graubrauner Hutfarbe und reif schwarzen Lamellenschneiden. Fotos: Uwe Wallner.

Bernd Miggel

#4
Notizen
•    Der hier beschriebene Zweifarbige Scheidenstreifling wurde zeitweilig Amanita battarrae genannt. Siehe dazu die Forumsdiskussion unter Literatur (6.).

Ähnliche Arten
•    Beim  Grauen Scheidenstreifling (Amanita vaginata) ist der Hut nicht mehrfach gezont, und die Volva ist reinweiß, ohne rostfarbene Flecken.
•    Der Grauhäutige Scheidenstreifling (Amanita submembranacea) besitzt oft cremefarbene bis graue, flächige Hüllreste auf dem Hut, seine Volva ist weiß bis grau, stabil und dick, ohne rostfarbene Flecken. Der Hut ist nicht mehrfach gezont.
•    Der Südliche Riesen-Streifling (Amanita battarrae (Boud.) Bon) kommt bei uns nur an sehr wärmebegünstigten Orten vor und wächst dort bei Laubbäumen. Sein Fruchtkörper ist deutlich größer, und die Hutzonierung ist weniger stark ausgeprägt.

Literatur
1.    BON, M. (1988): Pareys Buch der Pilze: 294-295. (als A. battarrae).
2.    DÄHNKE, R.M. (1993): 1200 Pilze in Farbfotos: 462.
3.    KRIEGLSTEINER, G.J. (2003): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 4.  Ständerpilze: Blätterpilze II: Nr. 1.7. (als A. battarrae).
4.    Laux, H. E. (2001): Der große Kosmos Pilzführer: 252. (als A. battarrae).
5.    LUDWIG, E. (2012): Pilzkompendium Bd. 3: Nr. 99.17.
6.    https://forum.dgfm-ev.de/thread/2344-amanita-battarrae/
(abgerufen am 7.2.2024).
7.    https://www.interhias.de/schwammerlseiten/galerie/fotoseiten/amanita-battarae-1.html
(abgerufen am 7.2.2024).
8.    https://de.wikipedia.org/wiki/Zweifarbiger_Scheidenstreifling
(abgerufen am 7.2.2024).
9.    https://fundkorb.de/pilze/amanita-umbrinolenta-zweifarbiger-scheidenstreifling


Viel Freude beim Anschauen!
Bernd


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